Erdgas

Fusion könnte Gaspreise steigen lassen

Die Marktgebietszusammenlegung
Aus den derzeit zwei Handelszonen im deutschen Gasmarkt, NetConnectGermany (NCG) und GASPOOL soll zum 1. Oktober 2021 ein einheitliches Marktgebiet entstehen. Dies wurde 2017 mit einer Änderung der Gasnetzzugangsverordnung (GasNZV) beschlossen. Dadurch soll der deutsche Gasmarkt eigentlich gestärkt werden, ihn liquider machen und die Versorgungssicherheit weiter verbessern.
Die Herausforderung
Die Transportkapazitäten zwischen den Marktgebieten sind im Gegensatz zu den Importkapazitäten sehr gering. Entsprechend kann es zu Engpässen kommen, wenn Importe in den Teil des Marktgebietes hinter dem Engpass geliefert werden sollen. Den Berechnungen der Netzbetreiber zufolge müssten nun die festen (d. h. gesicherten) Gastransportkapazitäten (analog zur „Kupferplatte“) nach Deutschland hinein um bis zu 78 Prozent gegenüber den heute verfügbaren Kapazitäten reduziert werden. Auch kontrahierte Langfristbuchungen an den Einspeisepunkten müssten demnach halbiert werden.
Der Transport der übrigen Mengen kann damit nur noch über mehr oder weniger unterbrechbare Kapazitäten gebucht werden. Für die Sicherstellung der Lieferverpflichtungen von Erdgas an die Unternehmen und Haushalte werden sich die Lieferanten voraussichtlich absichern und die Kosten vermutlich an die Kunden weitergeben.
Ein steigender Gaspreis könnte dann auch Auswirkungen auf den Stromsektor habe, denn gerade angesichts des geplanten Kohleausstiegs wird die Rolle von Erdgas in der Stromerzeugung zunehmen. Wie hoch der Effekt ohne Gegenmaßnahmen sein würde, ist allerdings von Seiten des Marktes noch nicht abschätzbar.
Hinzu kommt, dass die Liquidität im deutschen Gasmarkt abnehmen könnte und aufgrund der Einschränkungen bei festen Kapazitäten der Lieferantenwechsel schwieriger wird.
Mögliche Lösung
Das Problem zu geringer Transportkapazitäten ließe sich mittelfristig durch vermehrten Netzausbau beheben. Von den Kosten abgesehen ist dies kurzfristig keine Option. Daher schlagen die Netzbetreiber und Lieferanten eine Art marktbasiertes Engpassprodukt vor, um zwischen den ehemaligen Marktgebieten gesicherte Transportleistungen anbieten zu können. Dabei würde gleichzeitig in einem Netz Gas gekauft und in einem anderen verkauft, es findet dabei nur ein virtueller Transport statt.
Ein Teil der Lösung könnte auch sein, Drittnetze im Ausland (bspw. über Tschechien) für die gesicherte Durchleitung zu buchen. Bei der Bundesnetzagentur wird dieser Ansatz der Gaswirtschaft noch mit Skepsis betrachtet, insbesondere weil sie nicht von einem wie von den Netzbetreibern errechneten starken Rückgang gesicherter Transportkapazitäten ausgeht.
Weitere Hintergrundinformationen zur Zusammenlegung der Marktgebiete finden Sie unter www.marktgebietszusammenlegung.de.