Versorgungssicherheit

BMWi legt Monitoringbericht zur Versorgungssicherheit vor

Mindestens alle zwei Jahre wird ein Monitoringbericht veröffentlicht, der die aktuelle Versorgungssituation bewertet und in verschiedenen Szenarien die künftige Versorgungssituation untersucht. Zielsetzung ist es, als Frühwarnsystem abzeichnende Defizite zu identifizieren, um auch ausreichend Zeit zur Umsetzung von Gegenmaßnahmen zu haben.
Unter Versorgungssicherheit wird dabei eine angemessene Deckung des Strombedarfs verstanden. Dabei werden die vorhandenen Stromerzeugungs- und Netzkapazitäten sowie die Verfügbarkeit von Energieträgern für die Stromerzeugung berücksichtigt. Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet, wenn die Nachfrage jederzeit mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gedeckt werden kann. Als ein effizientes Niveau der Versorgungssicherheit am Strommarkt in Deutschland wurde im Begleitgutachten zum Monitoringbericht wurde eine Lastausgleichswahrscheinlichkeit von 99,94 Prozent als Zielmarke empfohlen. In die Berechnung gehen alle solche Ereignisse ein, deren Eintritt von den Marktteilnehmern abgeschätzt werden kann. Referenzrahmen ist der europäische Strommarkt. Eine Lastausgleichswahrscheinlichkeit von 99,94 Prozent bedeutet, dass die Last an fünf Stunden im Jahr nicht vollständig am Markt gedeckt werden. Potenzielle Verbrauchskürzungen wären aber auch bei einer Lastausgleichswahrscheinlichkeit von 99,94 Prozent sehr selten und würden nur einzelne Verbraucher betreffen. Zudem ist zu berücksichtigen, dass nur am Markt agierende Kapazitäten in die Berechnung eingehen. Zusätzlich stehen in Deutschland zum Beispiel die Kapazitätsreserve, die Sicherheitsbereitschaft und die Netzreserve zur Verfügung und erhöhen das tatsächliche Sicherheitsniveau über diesen Schwellenwert hinaus.
Versorgungslage in Deutschland
Für Deutschland ergibt sich im Referenzszenario (best guess Szenario ohne zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen) für alle Betrachtungsjahre (2020, 2023, 2025, 2030) eine Lastausgleichswahrscheinlichkeit von (rechnerisch) 100 Prozent. Der angestrebte Schwellenwert von 99,94 wird in jedem Jahr also überschritten. Zusätzlich wurden mittels Sensitivitätsanalysen abweichende Entwicklungen untersucht, u.a. auch die für die Erreichung der Klimaschutzziele erforderliche Reduzierung der am Markt befindlichen Kohlekraftwerke. In allen berechneten Szenarien wird bis 2030 eine Lastausgleichswahrscheinlichkeit von 100 Prozent erreicht.
Versorgungslage in Europa
Auch in fast allen anderen EU-Ländern ist das Versorgungssicherheitsniveau mit 100 Prozent sehr hoch, Ausnahmen sind für 2020 Großbritannien (99,2 Prozent) und Polen (93,0 Prozent). Das europäische Stromversorgungssystem weist deutliche Überkapazitäten auf. Nach den Berechnungen können konventionelle Kraftwerke im Umfang von 80 bis 90 Gigawatt bis 2030 aus dem Markt gehen, ohne dass das Niveau der Versorgungssicherheit im europäischen Stromsystem beeinträchtigt wird.
Der länderübergreifende Ausgleichseffekt im europäischen Strommarkt bei der Einspeisung erneuerbarer Energien wird auf 50 bis 60 Gigawatt in 2030 geschätzt. Das bedeutet, wenn jedes Land für sich allein sein Stromsystem aufbauen würde, müssten mehr als 50 bis 60 Gigawatt an konventionellen Kraftwerken zusätzlich errichtet und finanziert werden.
Stromnetze und Versorgungssicherheit
Auch bei den Stromnetzen ist eine umfassende Versorgungssicherheit gewährleistet. Der (n-1)-sichere Betrieb des Übertragungsnetzes ist sichergestellt und auch systemrelevante Mehrfachfehler können beherrscht werden. Allerdings besteht aufgrund bestehender Engpässe bei hohem Transportbedarf die Notwendigkeit umfangreicher und kostenintensiver Netzstabilisierungsmaßnahmen (Redispatch, Einspeisemanagement). Eine umfangreiche Vorhaltung von Netzreservekapazitäten ist notwendig.
Den Monitoringbericht des BMWi finden Sie hier.