IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg

Ausschreibung für Bau von Reservekraftwerken

Die Übertragungsnetzbetreiber Tennet, Transnet BW und Amprion haben angekündigt, im April 2018 den Betrieb und ggf. Bau besonderer netztechnischer Betriebsmittel im Umfang von 1.200 MW auszuschreiben. Die Reservekraftwerke oder auch abschaltbare Lasten sollen zur Netzstabilisierung im Fall tatsächlicher Ausfälle von Betriebsmitteln eingesetzt werden. Eine Vermarktung der Anlagen am Strommarkt ist aus Wettbewerbsgründen ausgeschlossen.
Die neuen Netzreservekapazitäten sollen der Überbrückung der fehlenden Übertragungsnetzkapazitäten nach Süddeutschland zwischen der Abschaltung der letzten Atomkraftwerke (2022) und der Inbetriebnahme der Nord-Süd-Gleichstromtrassen (aktuell geplant: 2025) dienen. 
Zunächst war in § 13k EnWG festgelegt worden, dass die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Netzstabilitätsanlagen mit einer Nennleistung von bis zu 2 GW vorhalten können.  Bau und Betrieb sollten durch den Netzbetreiber erfolgen. Der tatsächliche Bedarf ist durch die Bundesnetzagentur zu bestätigen. Die Übertragungsnetzbetreiber ermittelten einen Bedarf von 2 GW.  Die Bundesnetzagentur hat im Mai 2017 dann den Bau und Betrieb von Netzstabilitätsanlagen im Umfang von 1,2 GW genehmigt.
Aufgrund beihilferechtlicher Bedenken der Eu-Kommission folgte im Juni 2017 eine Anpassung der Rechtsgrundlage. § 13k EnWG wurde gestrichen und stattdessen ein § 11 Abs. 3 EnWG eingefügt. Dabei wurde festgelegt, dass
  • mit dem Betrieb und ggf. Bau Dritte zu beauftragen sind,
  • die Vergabe durch transparente Verfahren und im Wettbewerb zu erfolgen hat,
  • es keine technologische Vorfestlegung, z.B. auf Gaskraftwerke gibt und damit
  • auch die Bereitstellung abschaltbarer Lasten eine Option sein kann.
Die Begrenzung auf in Summe maximal 2 GW sind bei der Neuregelung entfallen.
Auch wenn die ursprüngliche Vorfestlegung auf den Neubau von Gaskraftwerken entfallen ist, bleibt es wahrscheinlich, dass sich in erster Linie Gaskraftwerke durchsetzen werden. Die ÜNB haben in einem Markterkundungsverfahren zur Vorbereitung der Ausschreibung bislang drei potentielle Bewerber in Süddeutschland identifiziert: 
  • RWE, 
  • die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) und 
  • PQ Energy, 
Alle verfügen bereits über vorentwickelte Standorte für Gaskraftwerke. Im Fall von RWE ist ein Standort direkt beim Atomkraftwerk Gundremmingen vorgesehen.  Der Standort von SWU ist in Leipheim und von PQ Energy in Gundelfinden, beide in der Nähe von Gundremmingen. Hintergrund für die Standortwahl ist die bestehende gute Netzanbindung.