Der Wirtschaftsraum Schwarzwald-Baar-Heuberg reicht im Westen bis in den Schwarzwald und umfaßt im Osten Teile der Schwäbischen Alb und des Heubergs. Im Süden stößt die Region an die Schweiz, im Norden erstreckt sie sich in das Gebiet des Neckartals und im Westen ins obere Kinzigtal. Die geographische Lage verleiht dem Gebiet eine Brückenfunktion ins benachbarte Ausland. Ein besonderer Standortvorteil, der sich immer positiver auswirkt, ist hierbei die Autobahn A 81 Stuttgart-Zürich.

In der Region leben auf einer Fläche von 2.529 Quadratkilometern rund 480.000 Einwohner. Das Gebiet umfaßt die Landkreise Rottweil (140.000 Einwohner), Schwarzwald-Baar-Kreis (210.000 Einwohner) und Tuttlingen (130.000 Einwohner). Kristallisationspunkte gewerblicher Ansiedlung sind neben dem Oberzentrum Villingen-Schwenningen die Mittelzentren Donaueschingen, Rottweil, Schramberg und Tuttlingen, aber auch Städte wie Furtwangen, Oberndorf, St. Georgen und Spaichingen. Insgesamt arbeiten in der Region ca. 167.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.

Verarbeitendes Gewerbe dominiert

Der Wirtschaftsraum Schwarzwald-Baar-Heuberg zählt zu den industriedichtesten Räumen in Baden-Württemberg. Setzt man die ca. 90.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe ins Verhältnis zur Einwohnerzahl, so zeigt sich, daß die Region im Land nach dem Ballungsraum Stuttgart die zweitgrößte Industriedichte aufweist. So waren 1998 im Wirtschaftsraum 149 Personen pro 1.000 Einwohner in der Industrie tätig, im gesamten Land Baden-Württemberg lediglich 119.

Die Struktur der ansässigen Wirtschaft wird durch die Investitionsgüterindustrie und hier vor allem durch die Branchen Elektrotechnik, Maschinenbau, Feinmechanik - zu der auch die Medizintechnik und die Uhrenindustrie zählen - sowie die Stahlverfor-mung geprägt. Über die Hälfte aller Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe hat hier ihren Arbeitsplatz. Besonders hervorzuheben ist, daß die Medizintechnik, vor allem die Chirurgie-Instrumentenindustrie in Tuttlingen und Umgebung weltweit sowie die Drehteile- und die Großuhrenindustrie in den Gebieten des Schwarzwaldes und des Heubergs bundesweit einen Schwerpunkt haben. Weitere gewichtige Branchen auf Bundesebene sind der Ventilatoren- und Lüfterbau sowie die Herstellung von Zähler- und Zeiterfassungsgeräten.

Um das Bild der Wirtschaft abzurunden, müssen noch einige wichtige Produktgruppen der hiesigen Industrie genannt werden. Produziert werden beispielsweise elektronische Fuhrpark-Managementsysteme, Fahrtenschreiber, mikromechanische Baugruppen, Automatisierungskomponenten, hochleistungsfähige Bearbeitungszentren, Werkzeug- und Sondermaschinen, Backstraßen für Großbäckereien sowie hochpräzise Teile für den Automobilbau. Die Liste der Spezialitäten ließe sich noch weiter fortsetzen und zeigt zugleich die Vielfalt. Der Schwerpunkt bei den Innovationen und der High-Tech-Orientierung der Industrie liegt vornehmlich auf der Verknüpfung modernster Elektronik mit der Feinwerktechnik, die seit jeher eine Stärke des Wirtschaftsraumes war und ist.

Das Verarbeitende Gewerbe in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg erzielt einen Großteil seines Gesamtumsatzes in der Ausfuhr seiner Produkte mit einer Exportquote von ca. 37 %. Die höchsten Exportquoten haben die Medizintechnik mit rund 60 % sowie die elektrotechnische Industrie und die Feinmechanik mit ca. 50 %. Hauptsächliche Außenhandelspartner der regionalen Unternehmen sind die EU-Staaten mit Frankreich an der Spitze, die Schweiz sowie die USA. Da aus dem Wirtschaftsraum viele Zulieferprodukte indirekt in den Export gehen, kann man davon ausgehen, daß ein noch höherer Anteil des Umsatzes im Export erzielt wird.

Struktureller Wandel

Die Industrie hat in den letzten 20 Jahren einen enormen Wandel durchgemacht und eine für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit notwendige und auch weitgehend erfolgreiche Strukturanpassung betrieben. Den rezessiven Phasen Mitte der siebziger und Anfang der achtziger Jahre fielen zahlreiche Arbeitsplätze zum Opfer. Vor allem die Uhrenindustrie und die Unterhaltungselektronik, der Bereich der Musikinstrumente- und Spielwarenherstellung sowie die Computerindustrie mußten schmerzhafte Schrumpfungsprozesse hinnehmen. In den Folgejahren hat sich im Wirtschaftsraum dennoch einiges zum Positiven hin bewegt. Die Industrie- und Handelskammer stellt fest, dass sich Unternehmen der Region mit neuen und vor allem innovativen Produkten beachtlich weiterentwickelt haben.

Diese Produkte werden vornehmlich auf feinmechanischer Basis hergestellt, verbunden mit modernster Elektronik. Hinzu kommen eine Vielzahl von Existenzgründungen. Anpassungen in den betrieblichen Organisationsstrukturen haben ebenso zum wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen beigetragen.

Diese positive Entwicklung zahlt sich letztlich aus: Lag die Arbeitslosenquote noch vor wenigen Jahren in der Spitzengruppe des Landes, so bewegt sie sich seit längerem unter dem Landesdurchschnitt. Die Quote der Erwerbslosen in der Region Stuttgart z.B. liegt dagegen inzwischen vergleichsweise deutlich darüber.

Auszeichnungen für die Industrie

Zahlreiche Innovations- und Designpreise, die an die hiesige Industrie verliehen wurden, verdeutlichen die Innovationskraft der Region. Ausgezeichnet wurden nicht nur wirtschaftlich erfolgreiche Produkte, die schon länger am Markt sind, sondern verstärkt auch neuartige, innovative Produkte, die in kürzester Zeit breite Anerkennung in den Fachmedien und Erfolg bei den Kunden einbrachten. Eine Stärke der Unternehmen liegt auch in verschiedenen grundlegenden Verfahrensinnovationen, die vorteilhaft in die firmeneigene Produktion einfließen und daher an den Erzeugnissen zunächst nicht unmittelbar deutlich werden. Hiesige Unternehmen liefern z.B. neueste Technologien für elektronische Schnittstellen, Faserverbund- und Reinraumfertigungsanlagen, informationstechnische Lösungen mit Internetanwendungen, Sicherheitsbauteile für die Direkteinspritzung bei Dieselfahrzeugen, dübellose Schraubtechnik und feinste Instrumente für die minimal-invasive Chirurgie.

Noch weit ausgeprägter als die Entwicklung neuer Produkte und Verfahren ist die technische und kundenspezifische Weiterentwicklung von Produkten oder die Komplettierung der bestehenden Angebotspalette. Gerade mittlere und kleinere Betriebe sehen in der kontinuierlichen Verbesserung ihrer Produkte eine Chance, im Wettbewerb bestehen zu können. Aber auch bei diesen Unternehmen kam es zu herausragenden Produkt- und Verfahrensinnovationen sowie zu gewichtigen Konstruktionsverbesserungen und Automationslösungen.

Die vielfältigen Anstrengungen der mittelständischen Industrie in den vergangenen schwierigen Jahren tragen somit ihre Früchte. Dies bestätigen auch die Ergebnisse einer Studie des Karlsruher Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung. Besonders erfreulich ist, dass sich im Ergebnis der Wirtschaftsraum Schwarzwald-Baar-Heuberg als ausgesprochen innovativ darstellt und im Verhältnis etwa zu den Regionen Karlsruhe und Freiburg überdurchschnittlich gut abgeschnitten hat. Ersichtlich wird diese Bewertung gleichzeitig an mehrere Innovationsfaktoren, die im Vergleich für den Raum festgestellt wurden:

1. ein höherer Umsatzanteil an Neuprodukten

2. eine schnellere Erneuerung der Produktpalette und

3. eine höhere Zahl von Patentanmeldungen pro Beschäftigten in Forschung und Entwicklung, jeweils bezogen auf die Vergleichsregionen.

Bestätigt werden diese drei Positivfaktoren letztlich durch ein weiteres signifikantes Merkmal: Der Umsatz an Neuprodukten im Verhältnis zum eingesetzten Entwicklungsaufwand ist ein Kriterium für die Effizienz von Forschung und Entwicklung. Hier liegt die Region mit 5,15 DM Umsatz pro in Forschung und Entwicklung investierter DM weit vor Karlsruhe mit 2,91 DM und Freiburg mit 2,98 DM. Bemerkenswert ist außerdem, dass in der Region eine vergleichsweise größere Anzahl von innovativen, kleineren Unternehmen anzutreffen ist als in anderen Regionen. Der bundesweit 9. Preis unter den patentintensivsten Regionen Deutschlands laut einer Studie des Patent- und Markenamtes in München aus dem Jahr 1998 bestätigt die hochinnovative Zulieferstruktur.

Ein zusätzlicher Beweis für den innovativen Charakter des Wirtschaftsraumes Schwarzwald-Baar-Heuberg ist die Auszeichnung von insgesamt sechs von zwölf Unternehmen mit dem Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg 1997 und 1998. Auch der jeweils landesweit erste Preis wurde zum zweiten Mal in Folge in die Region vergeben.

Industrielle Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte

Voraussetzung für die Umsetzung von Technologieimpulsen in erfolgreiche Produkte ist eine funktionsfähige Forschungs- und Entwicklungsstruktur. Da die Industrie der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg überwiegend mittelständisch geprägt ist, ist eine aufwendige Basis- bzw. Grundlagenforschung zwar lediglich in geringerem Umfang als in anderen Regionen vorhanden. Dennoch ist der Entwicklungsaufwand der regionalen Unternehmen vergleichsweise mit beachtlichen wirtschaftlichen Erfolgen verbunden.

Deutlich ausgeprägt geforscht wurde vor allem im Bereich der Telekommunikation und in der Mikrotechnik. Herausragende Beispiele sind Forschungsergebnisse zum digitalen Fernsehen und zu magneto-optischen Speichersystemen sowie die komplexe Entwicklung von hochintegrierten Schaltkreisen für diese Anwendungen. Eine weitere, weltweit herausragende Basisentwicklung ist ein neues Reinigungsverfahren für die Halbleiterfertigung. Ein erfolgreich abgeschlossenes Entwicklungsprojekt war auch das Funkuhrsystem, an dem sich mehrere Firmen aus der Region beteiligten. Anwendungsbezogene Entwicklungen wurden zudem besonders in der Sensorik und in der Mikrotechnik getätigt, vor allem auch in Zusammenarbeit mit dem Institut für Mikro- und Informationstechnik (IMIT) in Villingen-Schwenningen.

Die Schwerpunkte der Arbeit des IMIT liegen vor allem im Bereich der Sensorik, der Fluidik, bei Mikroschaltern und in der Informationstechnik. Die Intensivierung der Zusammenarbeit mit der Industrie führte 1997 und 1998 wertmäßig zu einer Verdopplung der Industrieaufträge. In der Sensorik werden vor allem Durchfluss- und Drehratensensoren als auch Mikroschalter entwickelt. Im Bereich der Fluidik liegen die Anwendungsfelder in der Pneumatik und der Dosierung. Die Informationstechnik umfasst die Anwendung von Steuerungs- und Automatisierungstechnik sowie Internet-/Intranet-Lösungen. In intensiver Zusammenarbeit mit den regionalen Unternehmen sind viele neue mikrotechnische Bauelemente entstanden. Zunehmend nachgefragt werden Dienstleistungen im Bereich der Messtechnik zur Qualitätssicherung sowie im Bereich der Simulation, beispielsweise zur Auslegung von Sensoren.

Bedeutende Forschungsvorhaben werden auch im Verbund von Instituten und Konzernunternehmen außerhalb der Region durchgeführt. Zwei dieser weltweit neuesten, besonders wichtigen Entwicklungen sind z.B. ein Sicherheitsschließsystem und eine neue Fahrwerksvermessung für die Kfz-Industrie. Zwei weitere Verbundprojekte sind zum einen ein bundesweites Forschungsprojekt zum Einsatz der Mikrosystemtechnik in der neurochirurgischen Operationstechnik, zum anderen ein EU-weites Forschungsprojekt, in dem ein Infrarotstrahlungs-Brenner für erdgasbetriebene Wärmeerzeugungsanlagen weiterentwickelt wird, der die Umweltbelastungen gleich um ein Mehrfaches senkt und zusätzlich elektrische Energie einspart.

Eine starke Ausrichtung der Unternehmen auf die Weltmärkte, hohes Innovationspotential und ein breit gefächertes Produktionsspektrum in den Unternehmen der Industrie sorgen für eine solide Basis der regionalen Wirtschaft. Die Industrie wird auch in der Zukunft Garant für Wachstum und Arbeitsplatzsicherheit sein. Eine Vielzahl von Arbeitsplätzen bietet aber auch der in den letzten Jahren beachtlich gewachsene Dienstleistungssektor. Er ist ohne Zweifel mit eine tragende Säule der Wirtschaft in der Region. Dabei ist der Handel wahrscheinlich einer der Wirtschaftsbereiche mit den größten strukturellen Veränderungen in den letzten Jahrzehnten. Die regionalen Handelsunternehmen sahen sich in dieser Zeit insbesondere mit völlig neuen Betriebsformen, mit neuen Einzelhandelsstandorten und mit verändertem Verbraucherverhalten konfrontiert.

Handel mit Herausforderungen

Bereits in den sechziger Jahren traten verstärkt neue Discountläden und zum Teil sehr großflächige Verbrauchermärkte auf, betrieben vor allem von großen und bekannten Handelsketten. Damals wie heute wurden und werden diese Betriebsformen meist an verkehrsgünstigen Stadtrandlagen oder ganz "auf der grünen Wiese" außerhalb der bebauten Gemeindegebiete angesiedelt. Realisiert wurde die Ansiedlung von C&A in Villingen-Schwenningen sowie von Karstadt in Tuttlingen, aber auch eine Einkaufsagglomeration in Bad Dürrheim. Mit Blick auf die negativen Auswirkungen auf das gesamtwirtschaftliche Gefüge des Handels in der Region sind die Ansiedlungen von Einzelhandelsgroßprojekten kritisch zu beurteilen. So wurde z.B. in den siebziger Jahren die Ansiedlung eines größeren Einkaufszentrums an der Autobahn bei Deißlingen verhindert. Charakteristische Beispiele für diese Entwicklung außerhalb der Zentren findet man auch wie oben beschrieben in Bad Dürrheim oder in Zimmern o. R.

Als Besonderheit der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg hat sich lange Zeit die strukturelle Schwäche des Oberzentrums Villingen-Schwenningen ausgewirkt. Aufgrund der Tatsache, dass die Stadtkerne der beiden Ortsteile ca. fünf Kilometer auseinander liegen und zudem sehr unterschiedliche Strukturen aufweisen, konnte eine leistungsstarke City nur begrenzt entstehen, wovon die umliegenden Städte und Gemeinden letztlich profitierten.

Seit den achtziger Jahren wurden jedoch gerade in Villingen-Schwenningen umfangreiche Maßnahmen im Bereich der Stadtsanierung durchgeführt, die das Einkaufen in den beiden Stadtteilen für den Kunden zweifellos zu einem besonderen Erlebnis machen können. Diese Entwicklung hin zu einer verstärkten Anziehungskraft des Oberzentrums hat dann im Gegenzug in den umliegenden zentralen Orten wie Donaueschingen, Rottweil, Schramberg, St. Georgen, Spaichingen, Trossingen oder Tuttlingen zu vermehrten Anstrengungen geführt, die eigene Kaufkraft zu stärken. Die Innenstädte wurden attraktiver gestaltet, es kam aber auch zur Ansiedlung größerer Einzelhandelsobjekte an den Stadträndern.

Lanze für den Mittelstand

Angesichts der aufgezeigten Strukturen ist es von großer Bedeutung, dass die Verantwortlichen ihre Anstrengungen daran ausrichten, nicht neue Konkurrenz zu verhindern, aber dafür Sorge zu tragen, dass gerade der vorwiegend mittelständisch geprägte Einzelhandel in den Innenstädten als einer der bedeutenden Wirtschaftsfaktoren seine Funktion behält.

Aus der jüngsten Vergangenheit muß man insoweit das Beispiel "Pegasus" erwähnen. Hier konnte aufgrund des Engagements unter anderem der IHK verhindert werden, dass ein zwischen den Stadtteilen Villingen und Schwenningen "auf der grünen Wiese" geplantes großflächiges Einkaufszentrum gebaut wurde. Gerade in diesem Fall wurde deutlich, dass es nicht um die Verhinderung neuer Konkurrenz ging, sondern darum, zunächst die vorhandenen Potentiale in den beiden Innenstädten von Villingen und Schwenningen zu nutzen, um vorrangig deren Attraktivität weiter zu steigern und sie als Einzelhandelsstandorte zu fördern. Auch künftig wird man sich im Handel immer wieder mit Veränderungen konfrontiert sehen. Ein aktuelles Beispiel ist das "Factory Outlet Center" in Villingen-Schwenningen oder das "virtuelle Kaufhaus" im Internet schlechthin.

Es gilt deshalb - damals wie heute und vielleicht in Zukunft noch in verstärktem Maße - für den mittelständischen, innerstädtischen Einzelhandel, sich auf seine eigentlichen Stärken, wie etwa kompetente Fachberatung und Servicebereitschaft, zu konzentrieren. Nur so kann er im Wettbewerb mit anderen Betriebsformen und Standorten seine Position erfolgreich behaupten.

Dienstleistungen im Aufwärtstrend

Erwerbschancen bietet indes immer mehr der permanent wachsende Dienstleistungsbereich. Er entwickelt sich stetig zu einem Markt mit Zukunft, auch in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg. Bundesweit ist gerade in den letzten Jahren eine verstärkte Verschiebung der wirtschaftlichen Struktur von der Produktions- hin zur Dienstleistungsgesellschaft zu verzeichnen. Diese Entwicklung ist auch in der Region deutlich zu spüren. Dieser Trend wird an den kräftig gewachsenen Anteilen des sogenannten tertiären Sektors an der gesamtwirtschaftlichen Leistung und an den Beschäftigtenzahlen deutlich.

Der tertiäre Sektor stellt eine bunte Mischung unterschiedlichster Branchen dar und beinhaltet neben den Bereichen Handel, Verkehr, Nachrichtenübermittlung, Kredit- und Versicherungsgewerbe noch die sogenannten "sonstigen Dienstleistungen". Unter diesem Oberbegriff findet man wiederum eine breite Palette an Branchen wie Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe, Reinigungsunternehmen, Firmen aus den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Gesundheitswesen, Rechts-, Steuer- und Wirtschaftsberatung, Technische Beratung, DV-Dienstleister, Werbung und andere.

Allein dieser Bereich der "sonstigen Dienstleistungen" wuchs von 1985 bis 1998 in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, gemessen an der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, um ca. 33 %. In absoluten Zahlen ausgedrückt bedeutet das eine Steigerung um rund 12.000 auf 42.000 Arbeitsplätze. Somit bilden die Unternehmen aus dem Bereich "sonstige Dienstleistungen" innerhalb des tertiären Sektors die größte Gruppierung, noch vor dem Handel mit 22.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Insgesamt waren im Jahr 1998 in den Dienstleistungsbranchen der Region ca. 68.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig. Dies entspricht einer Quote von über 41 % (gegenüber einem Dienstleistungsbesatz von 32 % im Jahr 1985). Aufgrund der traditionellen Industriedichte der Region liegt der aktuelle Landesdurchschnitt trotz dieser Steigerung mit über 50 % dennoch deutlich höher.

Analog zur Beschäftigtenentwicklung nahm die Wirtschaftsleistung der Dienstleister ebenfalls zu. Lag in der Region der prozentuale Anteil der Bruttowertschöpfung durch den tertiären Sektor 1982 noch bei 40,5 %, so wuchs er bis 1994 (zuletzt ausgewiesener Wert) auf 51,3 %.

Zusammenfassend lässt sich die Situation des tertiären Sektors in der Region folgendermaßen charakterisieren: Die Dienstleistungen sind in der Region noch unterrepräsentiert, gewinnen aber zunehmend an Gewicht. Die Anbieter produktionsbezogener Dienstleistungen weisen im Vergleich zu den konsumbezogenen Dienstleistungsunternehmen eine deutlich höhere Dynamik auf. Gerade aufgrund der hohen Industriedichte im Wirtschaftsraum ergeben sich weitere Wachstumspotentiale für unternehmensbezogene Dienstleister. Sie können ein dynamischen Beschäftigungsfaktor werden, denn es zeigt sich ein Trend zur Inanspruchnahme industrienaher Dienstleistungen durch die warenproduzierende Industrie, die ihrerseits immer mehr von komplementären Dienstleistungen durchdrungen wird.

Beachtliche Umsätze in der Freizeitwirtschaft

Etwa jedes achte, also rund 2.500 der insgesamt ca. 20.000 kammerzugehörigen Unternehmen, lebt direkt vom Tourismus und der Freizeitwirtschaft. Darin ist noch nicht der Handel enthalten, der mit seinen Bereichen Sport und Freizeit teilweise auch vom Tourismus profitiert, sowie die touristischen Betriebe in kommunaler Hand, also z.B. Museen und Bäder. Hinzu kommen noch einmal fast 2.500 nicht konzessionierte Betriebe unter acht Betten, meist Ferienwohnungen und Privatzimmer, die nebenberuflich bewirtschaftet werden. Insgesamt können die Beherbergungsbetriebe der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg ein Bettenangebot von fast 30.000 Betten vorweisen.

Um die Wirtschaftskraft, die sich hinter diesen Betrieben verbirgt, ermitteln zu können, gilt es zunächst zwischen dem Ausflugs- bzw. Tagestourismus sowie dem Übernachtungstourismus zu unterscheiden. Bei letzterem fanden im Jahr 1998 rund 4,0 Mio. Übernachtungen im Wirtschaftsraum statt.

Insgesamt gaben die Übernachtungsgäste im Jahr 1998 rund 459 Mio. DM in der Region aus. Hinzu kommen die Umsätze, die im Bereich des Tagestourismus anfallen. Dazu gehören die Tagesausflüge der Wohnbevölkerung über 14 Jahren und die Geschäftsreisen, die maximal einen Tag dauern. In diesem Bereich konnten zusätzliche Umsätze in Höhe von 498 Mio. DM erwirtschaftet werden, so dass die Gesamtumsätze des Tourismus in der Region fast 1 Mrd. DM erreichen.

Der privatwirtschaftliche Tourismus schafft nach groben Schätzungen fast 17.000 Beschäftigungsverhältnisse. Hier gilt es allerdings zu berücksichtigen, dass dieser Bereich durch einen nicht unerheblichen Anteil von Teilzeit- und Aushilfsarbeitskräften geprägt ist. Weitere wichtige Arbeitgeber sind darüber hinaus Städte und Kommunen, die ebenfalls einen erheblichen Anteil an Arbeitsplätzen im Bereich Tourismus und Freizeit/Erholung bieten.

Trotz dieser erheblichen und oft unterschätzten Bedeutung der Freizeitwirtschaft für die Region darf nicht außer acht gelassen werden, dass gerade der Tourismus ein Bereich ist, der auch unabhängig von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung immer wieder neuen Trends und Strömungen unterworfen ist. Die Wirtschaftsunternehmen dürfen daher in ihren Anstrengungen nicht nachlassen, nicht nur auf sich verändernde Strukturen zu reagieren, sondern auch ihre Angebote an den wechselnden Kundenwünschen und Ansprüchen zu orientieren.

Die IHK hat sich nachhaltig für die Förderung des Tourismus eingesetzt, z.B. in gemeinsamen Aktionen mit dem Landkreis Schwarzwald-Baar, den Kommunen und den Banken im Dreieck Schonach/Schönwald/Triberg. Ein regionsübergreifendes Tourismuskonzept für den Heuberg wurde erarbeitet und befindet sich in der konkreten Umsetzung. Aktuell wird an einer Studie zur Ermittlung der Wirtschaftskraft des Wirtschaftsfaktors Tourismus im Landkreis Rottweil gearbeitet.

Gut ausgebaute Bildungsinfrastruktur

Auch die Bildungseinrichtungen sind wichtige Eckpfeiler für die Gesamtentwicklung des Wirtschaftsraumes. So liefert die Fachhochschule Furtwangen (FHF) wichtige Impulse zur Bewältigung des permanenten Strukturwandels in der Region. Einen besonderen Beitrag zum Strukturwandel haben die Studiengänge Feinwerktechnik und Elektronik geleistet, die heute zu dem neuen Fachbereich Mechatronik und Mikrosysteme zusammengewachsen sind.

Für die Industrie sind interessante, zukunftsorientierte Studienschwerpunkte neu hinzu gekommen. Fachrichtungen wie beispielsweise Communication Engineering mit dem Schwerpunkt Rechnernetze, der Fachbereich Digitale Medien mit neuen Bildungsmedien und dem Ziel, eine virtuelle Hochschule zu gestalten, Medical Engineering und der Fachbereich Internationale Betriebswirtschaft mit dem besonderen Schwerpunkt Fernost sind entstanden. Ein weiterer Studienschwerpunkt kam mit der Biotechnologie und -sensorik im Fachbereich Verfahrenstechnik der Außenstelle Villingen-Schwenningen hinzu. Aktuell nehmen 2.300 Studenten die Vielzahl dieser Studienangebote wahr, davon belegen derzeit 700 Studenten die Vorlesungen an der 1988 mit Unterstützung der IHK gegründeten Außenstelle in Villingen-Schwenningen.

Um den Technologietransfer gerade mit kleinen und mittleren Unternehmen zu intensivieren, wurde zudem Ende der siebziger Jahre die Gemeinsame Innovationsberatungsstelle der IHK und der Fachhochschule Furtwangen gegründet.

Ein fester Baustein im regionalen Bildungssystem und ein wichtiger Bestandteil in der Nachwuchsförderung der Wirtschaft ist die Berufsakademie (BA) in Villingen-Schwenningen. Drei Ausbildungsbereiche (Wirtschaft, Technik und Sozialwesen) mit mehreren Fachrichtungen bieten Abiturienten eine praxisorientierte und zugleich wissenschaftsbezogene Alternative zum Hochschulstudium. Die Berufsakademie wurde 1975 auf Betreiben der IHK und der Stadt Villingen-Schwenningen als dritte Berufsakademie in Baden-Württemberg gegründet. Heute zählt sie rund 1.200 Studenten.

Neben den genannten Hochschuleinrichtungen bereichern die Fachhochschule der Polizei, die Staatliche Hochschule für Musik Trossingen sowie das Fernstudienzentrum Villingen-Schwenningen die Hochschullandschaft der Region. Das Fernstudienzentrum Villingen-Schwenningen besteht seit 1992 und wird von der IHK, dem Landkreis Schwarzwald-Baar und der Stadt Villingen-Schwenningen getragen. Rund 850 Studenten bereiten sich auf Diplome und Zertifikate der Fernuniversität Hagen vor.

Ein gut ausgebautes Schulsystem ergänzt dieses Hochschulangebot. Eine Vielzahl allgemeinbil-dender und berufsbildender Schulen ermöglichen alle schulischen Bildungsabschlüsse. Für die berufliche Weiterbildung bieten die Handwerkskammer Konstanz und die IHK ein umfangreiches Bildungsangebot an. Die Kammern ermöglichen Fach- und Führungskräften der Wirtschaft flächendeckend die Chance zur beruflichen Qualifizierung.

Allein die IHK trägt mit rund 600 Weiterbildungsmöglichkeiten pro Jahr zum Qualifizierungsangebot der Region bei. Sie offeriert ihr umfangreiches Bildungsangebot in Donaueschingen, Oberndorf, Rottweil, Schramberg, Tuttlingen und Villingen-Schwenningen. Jährlich besuchen rund 4.000 Teilnehmer die IHK-Weiterbildungsveranstaltungen. Gemeinsam mit der Handwerkskammer Konstanz ist sie seit 20 Jahren auch Träger der Beruflichen Bildungsstätte Tuttlingen GmbH (BBT) deren breites Angebot in der technischen Aus- und Weiterbildung liegt. Diese Zusammenarbeit ist in Baden-Württemberg einmalig, und etwas besonderes ist auch das Weiterbildungsangebot des "Forum Medizintechnik" in Tuttlingen, das die IHK initiiert hat und federführend mit drei weiteren Organisationen der Wirtschaft gemeinsam trägt. Ergänzt wird dieses Weiterbildungsangebot durch Angebote mehrerer privater Bildungsträger.

Verbesserte Verkehrsinfrastruktur

Um der zentralen Lage der Wirtschaftsregion Schwarzwald-Baar-Heuberg im EU-Raum zu entsprechen, muss die Anbindung an die Verkehrswege in Deutschland und die des benachbarten Auslandes gewährleistet sein. Mit der Autobahn A 81 Stuttgart-Zürich, die eine direkte Linie zwischen der Landeshauptstadt und der Schweiz herstellt, wurde ein großer Schritt in diese Richtung unternommen. Der Ausbau der Bundesstraßen 31 und 33 bindet die Region enger an die Rheintalautobahn bei Freiburg bzw. Offenburg und an das französische Straßennetz. In Richtung Osten stellt die Bundesstraße 311 die Verbindung zum Raum Ulm und München her. Der Ausbau einer leistungsfähigen Ost-West-Achse mit weiteren Ortsumgehungen ist dabei das wichtigste Projekt der kommenden Jahre. Eine gute Anbindung im Schienenverkehr garantieren die Gäubahn und die Schwarzwaldbahn. Sie bieten unmittelbaren Anschluss an die großen überregionalen Schienennetze in nördliche und südliche Richtung. Für den Regionalverkehr stehen vier Flugplätze im Wirtschaftsraum zur Verfügung, wobei Donaueschingen eher die Rolle des Regionalflugplatzes einnimmt.

Die IHK hat auf dem Gebiet des Verkehrs im Straßen- und Schienenbereich Verbesserungen initiiert und unterstützt. Gute Beispiele sind die Wiederaufnahme der Verlademöglichkeit Straße/Schiene am Güterbahnhof Villingen, die die IHK gemeinsam mit dem Regionalverband erreicht hat, sowie die neuesten IHK-Aktivitäten zur Einrichtung eines Regionalen Logistikzentrums.

"Die Region im Aufbruch": Professionelles Standortmarketing notwendig

Der Wirtschaftsraum Schwarzwald-Baar-Heuberg hat im Bereich der wirtschaftsnahen Infrastruktur noch erheblichen Nachholbedarf und auch der Bekanntheitsgrad der Region ist zu gering. "Wo ist Baar, wer ist Heuberg?", titelten die Wirtschaftsjunioren eine Studie, die im Jahr 1992 veröffentlicht wurde. Befragt wurden dabei Wirtschaftsjunioren anderer Regionen Deutschlands. Ein Marketingkonzept für den Wirtschaftsraum aufzulegen und die Entwicklungskraft zu stärken, wurde deshalb immer dringlicher. Dies ist allerdings nur im regionalen Konsens zwischen Politik, Wirtschaft und Verwaltung möglich.

In dieser Lage kam es nach Vorgesprächen auf Betreiben der Kammer und auf besondere Initiative des IHK-Präsidenten zur Gründung eines Arbeitskreises Wirtschaftsförderung Schwarzwald-Baar-Heuberg, zunächst unter der Federführung der IHK. Ihm gehören neben der Industrie- und Handelskammer die Landräte und Oberbürgermeister der Region, die Handwerkskammer, der Regionalverband, die Gewerkschaften, die Arbeitsämter und die Wirtschaftsjunioren an. Gemeinsames Ziel ist die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Schwarzwald-Baar-Heuberg. Der Arbeitskreis definierte in der Folgezeit eine Vielzahl von Projektfeldern und setzte entsprechende Arbeitsgruppen ein: So wird z.B. an einem Netz von Technologie- und Gründerzentren gearbeitet, die vor allem im Oberzentrum und in den Mittelzentren eingerichtet werden sollen. Ziel ist die Schaffung einer günstigeren Startbasis für Existenzgründer.

Ein gutes aktuelles Beispiel für mehr Gemeinsamkeit in der Region und eine vorbildliche Aktion der Wirtschaftsförderung ist der von den Sparkassen eingerichtete Risikokapitalfond. In einem "Forum Hochschule-Wirtschaft" werden jährlich vier hochkarätige Vortragsveranstaltungen angeboten. Träger dieses Forums sind die Berufsakademie Villingen-Schwenningen, die Fachhochschule Furtwangen, die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg und das Institut für Mikro- und Informationstechnik. Entwickelt wurde auch ein Logo für die Region, mit dem für den Standort Schwarzwald-Baar-Heuberg geworben wird, sowie ein Posterplakat über Hochschul- und Technologietransfer-Einrichtungen des Wirtschaftsraumes. Die Ausweisung eines großen, verkehrsgünstigen und in die vorhandene Infrastruktur gut eingebundenen interkommunalen Industriegebietes ist eine weitere Aufgabenstellung, mit der sich eine Arbeitsgruppe beschäftigt.

Ein gutes Beispiel für die positive und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Kammer, Städten und Gemeinden des Wirtschaftsraumes ist das Standortinformationssystem, das in der IHK entwickelt worden ist. Die Region präsentiert sich hier weltweit erstmalig geschlossen im Internet. An- und umsiedlungswillige Unternehmen aus der Region und aus dem gesamten In- und Ausland erhalten rund um die Uhr einen ersten umfassenden Überblick über wesentliche Standortfaktoren der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg. Weitere Anerkennung findet diese Initiative dadurch, dass sich die Regionen Baden-Württembergs nach dem Vorbild der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg ebenfalls im Internet präsentieren.

Perspektiven

Für die zukünftige Entwicklung des Raumes Schwarzwald-Baar-Heuberg ist Zuversicht angebracht. Die hohe Industrie- und Exportorientierung der Wirtschaft ist Chance und Risiko zugleich. Die aktuellen Veränderungen und Verschiebungen auf den internationalen Absatzmärkten durch die Globalisierung mit dem damit einhergehenden, immer schärferen Wettbewerb haben unmittelbar Auswirkung auf Produktion und Beschäftigung in der Region. Aber die Industrie und auch das große Potential an qualifizierten Mitarbeitern sind zur Anpassung an die veränderten technischen und wirtschaftlichen Bedingungen in der Lage. Verstärkte Produktinnovationen, meist in der Verbindung neuer Technologien und durch Umstellungen auf modernste Fertigungstechniken, haben zum erfolgreichen Strukturwandel ebenso beigetragen wie Rationalisierungserfolge - z. T. durch "Outsourcing" - und der Trend zu mehr Existenzgründungen.

In der Vielfalt des Dienstleistungssektors vor allem liegen die Chancen für ein nachhaltiges Wachstum an Beschäftigung. Dennoch wird viel davon abhängen, wie sich die Industrie weiterentwickeln wird. Nur wenn sich diese in der weltweiten Konkurrenz durchsetzen kann, wird der mit der Industrie eng verzahnte Dienstleistungssektor profitieren. Dann kann er, wie Anfang der neunziger Jahre, eine wesentliche Kraft für den Beschäftigungsaufbau und der bedeutendste Wachstumsträger werden. Der Wirtschaft in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg werden auch in Zukunft Höchstleistungen im industriellen Wettbewerb und im weiteren Ausbau des Dienstleistungssektors abverlangt. Insgesamt gesehen verfügen die Unternehmen dafür über eine solide und entwicklungsfähige Basis.